Oskar, der Kuschelochse
Geboren am 20. November 2011
Gestorben am 7. Januar 2025
Oskars Geschichte
„Gib mir ein Leben voller Versprechen und eine Welt der Träume. Sprich eine Sprache der Liebe, als wüsstest du, was sie bedeutet und es kann nicht falsch sein. Nimm mein Herz und mach es stark. Du bist einfach der Beste – You’re simpy the best!“ (Tina Turner)
Oskar, wir haben gewusst, dass deine Tage gezählt sind. Doch wir hätten sie am liebsten bis in die Unendlichkeit gezählt. Du bist gegangen und unsere Welt ist zerbrochen. Es scheint, als zähle von nun an nichts mehr. Alles drehte sich um dich. Wie kann es nur möglich sein, dass sich alles jetzt noch weiterdreht? Du bist in einem Milchbetrieb geboren und solltest in die Mast, weil aus einem männlichen Rind keine Milchkuh werden kann. Der Landwirt war im Krankenhaus und so sollte seine Tochter dich und deinen Halbbruder Anton in den Mastbetrieb bringen. Sie war die Erste, die dir dein Leben rettete.
Denn sie brachte dich auf einen „Gnadenhof.“ Welch ein Glück! Dorthin brachten auch wir unsere ersten geretteten Rinder Lilli, Luna und Elsa. Doch dort konntet Ihr nicht bleiben. Als wir ein neues Zuhause für die Mädels gefunden hatte, war klar, dass wir dich und Anton nachholen. Die Freude beim Wiedersehen, war bei allen riesig! Besonders Luna wich dir kaum von der Seite. Dann kam der Tag, an dem du mit geblähtem Bauch und verdrehten Augen auf der Seite lagst. Kein Tierarzt war erreichbar. Mit einem beherzten Stich in den Pansen. rettete dir unser damaliger Hofleiter das Leben und du konntest nach kurzer Zeit wieder stehen. Welch ein Glück! Doch auf diesem Hof konntet Ihr auch nicht bleiben und so wurde unser Lebenshof Diebels Ranch Euer neues Zuhause. Inzwischen warst du ein stattlicher Ochse geworden und die Leute kamen von überall her, um dich zu bestaunen. Du warst einfach immer unser sanfter Riese und hast streichelnde Hände mindestens so sehr geliebt wie Knäckebrot. Umringt von Menschen, die dich verwöhnten, warst du in deinem Element. Beim Kindergeburtstag hast du jedes Kind persönlich begrüßt.
Dann griff dich ein anderer Ochse an. Du hast dich nicht gewehrt, dich einfach umrammen lassen, weil du mindestens so lieb wie groß warst. Unser neuer Hofleiter ging dazwischen. Wieder konnte dein Leben gerettet werden. Welch ein Glück! Nach langem Suchen fanden wir auch einen Klauenpfleger mit einem großen Klauenstand für deine Pediküre. Doch als er die Gurte löste, standst du noch zu wackelig und schon warst du im Klauenstand eingeklemmt. Alle waren in heller Aufregung. Du hast dich einfach ergeben, dich nicht gerührt und darauf vertraut, dass wir dich aus dieser Situation heraus holen. So warst du! Wir haben den ganzen Klauenstand mit schwerem Werkzeug auseinander gehauen und eine Tierärztin verständigt. Einige Zeit später standst du wieder auf allen vier Beinen. Welch ein Glück! Irgendwann entdeckte dann unsere Helferin Druckstellen an deinem Schwanzansatz. Es sah nicht gut aus und wir brachten dich in die Klinik. Du hattest Arthrose im Schwanzgelenk und konntest den Schwanz nicht mehr gut heben. Nach vielen Gesprächen, sowohl mit dem Professor als auch mit unserem Haustierarzt, entschieden wir uns gemeinsam, dir den Schwanz unterhalb der Druckstellen amputieren zu lassen, damit du weniger Gewicht zu tragen hast. Das hast du gut überstanden. Welch ein Glück! Wir holten dich nach Hause und deine Herde flippte aus, vor lauter Freude dich wieder in ihrer Mitte zu haben. Wir behandelten die Druckstellen, legten fast täglich neue Verbände an, stellten dir bestes Futter zusammen, unterstützten dich mit Sprays bei der Fliegenabwehr, striegelten dein Fell und umsorgten dich. Anbinden brauchten wir dich dafür nicht. Wenn wir auf der Weide deinen Namen riefen, kamst du sofort angelaufen und bliebst nahezu unendlich geduldig stehen. Du wusstest allerdings auch genau, wann bei dem ganzen Ablauf der Futtereimer ins Spiel kam und hast ihn dann auch eingefordert. Schlauer Ochse! Die Wunden heilten so gut, dass letztendlich keine Verbände mehr notwendig waren. Als wir beim Rindernachmittag die Picknickdecke auf der Weide ausbreiteten, ließt du uns völlig entspannt schlemmen, während wir den Rest der Herde weg schicken mussten. Nach etwa einer Stunde hast du dann beschlossen, dass du uns genug Zeit gegeben hast und dich nun persönlich um die Reste kümmerst. Nichts und niemand konnte dich aufhalten, als du auf einmal hochzufrieden auf der Picknickdecke standst. Es war unvergesslich und ganz klar unsere eigene Schuld.
Dann fiel uns auf, dass du dein Vorderbein entlastet hast und deine Schulter dicker wurde. Du hast uns immer wieder dein Bein hingehalten. Als wir mit den ambulanten Maßnahmen nicht weiter kamen, ging es wieder in die Klinik. Eine Biopsie ergab die niederschmetternde Diagnose „Knochenkrebs“. Du muhtest uns hinterher, weil du wieder nach Hause wolltest. Also holten wir dich nach Hause. Mit Schmerzmitteln, Spezialfutter, Eisen, Vitamin D, Beifuß, Leinöl, osteopathischer Behandlung und vielem mehr, gaben wir alles, um dir noch eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Selbst beim Spritzen bist du ohne Halfter oder Strick einfach lieb und voller Vertrauen stehen geblieben. Deine Paten feierten noch deinen 14. Geburtstag mit dir. Du hast deine Geburtstagstorte einfach mit einem Haps verschlungen. Weg war sie! Deine erste Retterin, die Tochter des Milchbauern, fuhr mehrere Stunden mit der Bahn, um dich noch einmal zu besuchen. Sie hat deinen Geburtshof übernommen und in einen Lebenshof verwandelt. Dazu hast auch du sie inspiriert. So oft bist du dem Tod von der Schippe gesprungen. Es schien, als können wir noch zusammen die Welt aus den Angeln heben und gemeinsam durch Raum und Zeit spazieren. Wir haben dich ins neue Jahr gebracht und wagten zu hoffen, dass du uns mindestens noch durch den nächsten Sommer begleitest. Du bist herum gelaufen, hast deine liebste Luna abgeschleckt, vor lauter Appetit auf deine Mahlzeiten fünf Eimer zerstört, hast mit lautem Muhen mitgeteilt, wenn wir dich länger striegeln sollten und allen mit deinem Lebensmut, deinem Charme und all deinem Sein, das Herz erwärmt. Wie konnte man dich nicht lieben? Wie konnte man sich nicht nicht danach sehnen, die Unendlichkeit für dich reservieren zu können? Wie konnten wir uns nicht einfach noch viel mehr Glück für dich wünschen?
Wir dachten, dass wir dich erlösen werden, wenn es dir schlechter gehen sollte. Doch dazu kam es nicht. Du hast noch munter deinen Eimer geleert, standst auf allen vier Beinen und warst gut drauf. Nur einen Tag danach hast du dann selbständig deine letzte Reise angetreten. Vermutlich ist ein Blutgefäß aufgegangen. Du hast nicht leiden müssen und warst zuhause inmitten deiner Herde. Für uns war es dennoch ein Schock! So viele Worte und doch werden sie dir alle nicht gerecht. So viele Tränen und doch bringen sie dich nicht wieder zurück. So viel Liebe, dass sie bis zu den Sternen und noch weiter reicht, haben wir für dich. Doch während wir uns noch fragen, wo das Glück diesmal geblieben ist, wird uns klar, wieviel Glück du bis zum letzten Atemzug hattest, welch ein Glück es ist so leben und so gehen zu dürfen, wie es bei dir der Fall war und welch großes Glück wir hatten, dich begleiten zu dürfen. Danke für jeden Tag, jeden Atemzug, den wir mit dir teilen durften. Du bleibst unvergessen!
Wir danken auch allen Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen von Oskar, allen die ihm ein würdevolles Leben ermöglichten, sein Leben retteten, es bereicherten, ihn verehrten, umsorgten, behandelten, beschenkten, unterstützten, für ihn kämpften, ihn liebten und an seiner Seite waren. Danke, dass es Euch gibt! Oskar, dieses Lied ist für dich.


