Drei Kühe auf der Weide

Nelli, die Willensstarke

Geboren am 3. Januar 2026

Gestorben am 15. August 2026

Nellis Geschichte

„Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache.“(Antoine de Saint Exupéry)

Weil Worte dir nicht gerecht werden können, ist es so schwer welche zu finden. Kaum zu verstehen, dass die Erde sich einfach weiterdreht, obwohl du fehlst. Wir hätten dir die Sterne vom Himmel geholt, um dir zu helfen. Nun bist du selbst zu den Sternen geflogen, kleine „Kokosflocke“.Wir fanden dich in einem Milchbetrieb. Dort hast du deine ersten beiden Lebensmonate allein in einem kleinen Kälberiglu verbracht. Unser Tierarzt bat uns um Aufnahme. Dir war es nicht möglich selbständig zu laufen.

Deine Vorderbeine konntest du nur im 90 Grad-Winkel beugen. Dennoch war so unfassbar viel Lebensmut in dir. Wir beschlossen, alles zu geben, um dich auf die Beine zu bringen. Weder Tierärzte noch Klinik hatten Erfahrung mit dieser komplexen Fehlhaltung, die sich von den Beinen, über Schulter und Rücken zog und zu einer Parese entwickelt hatte. Deine Schwanzspitze war bereits abgestorben, weil du in deinen ersten Lebenswochen so viel im Mist gelegen hast. Doch du wolltest kämpfen! Wir starteten eine facettenreiche Therapie So zogen wir unsere Physiotherapeutin hinzu und du bekamst jede Woche Laserfrequenztherapie. Wir schienten deine Beine, massierten dich zwei Mal am Tag, bearbeiteten deine Klauen, gaben dir Zusätze für Nerven, Stoffwechsel, Knochenbau, Sehnen und Gelenke in die Milch sowie ganz viel Liebe und Zuwendung noch dazu.

Wir schafften ein LED-Pad an, mit dem wir täglich deine Muskulatur unterstützten. Du wurdest das wohl verkuschelste Kälbchen, das es geben kann Du hast jegliche Zuwendung aufgesaugt wie ein Schwamm, du kleine Genießerin. Du machtest Fortschritte, begannst dich aufzurichten und zu laufen, konntest deine Beine immer besser strecken. Deine Karpalgelenke drifteten immer weniger nach außen, deine Schulterstellung normalisierte sich langsam Wir statteten deinen Stall mit spezieller Einstreu aus, damit du dich darin besser bewegen konntest. Zusätzlich passten wir dir Schienen an und unser Tierarzt betreute dich engmaschig. Von Anfang an hattest du Probleme mit der Lunge, die wir behandelten. Immer wieder wolltest du dich hinknien, weil das für dich wohl die bequemste Haltung war. So lange du Fortschritte machtest, unterstützten wir dich auf allen Ebenen. Wir holten zwei weitere Kälbchen an deine Seite sowie die kleine Fine, die eine ähnliche Fehlstellung hatte, wie du. Du wurdest jedoch zu schwer für deine Schienen. So passte dir eine weitere Tierärztin einen festen Cast-Verband an. Doch du hast geschafft, ihn zu verbiegen. Als wir Euch einen Offenstall mit Weidezugang herrichteten, gab dir das zunächst auch nochmal Auftrieb. Auf wackeligen Beinen bewegtest du dich immer wieder aus dem Stall heraus, um die Welt zu entdecken Als wir dir Kalb Lea an deine Seite holten, wurde daraus eine innige Freundschaft.

Doch weil du größer und schwerer für deine Schienen geworden warst, gab es wieder Rückschritte. Wir fanden endlich einen Orthopädietechniker, der speziell für dich Carbon-Schienen anfertigen wollte und für dich tüftelte. Doch bevor er diese herstellen konnte, bautest du ab. Der Verlust von Fine und die Hitzetage machten dir sehr zu schaffen. Du wirktest in dich gekehrt und deine Motivation ließ nach.Dein Pansen funktionierte nicht mehr richtig, was wir noch in den Griff bekommen haben. Doch durch die Fehlhaltung drückte der Pansen auf deine bereits ohnehin vorgeschädigte Lunge.Wir versuchten mit Medikamenten und Physiotherapie entgegen zu wirken. Doch wir konnten dir nicht mehr helfen. Deine Atmung wurde schwerer. Während du in den Monaten zuvor so voller Lebensmut, Freude und Hingabe warst, hast du uns nun zu verstehen gegeben, dass es Zeit ist, loszulassen.Es war unendlich schwer und doch war klar, dass uns nichts weiter blieb, als dich auf deine letzte Reise zu begleiten. Deiner Freundin Lea machte es auch sehr zu schaffen, dass wir dich verloren haben.

Deine Zeit war viel zu kurz und doch so unfassbar intensiv. Du hast so viel ins Rollen gebracht, so viel bewegt, uns so viel lernen lassen und uns alle so verzaubert, mit deinem Charme, deiner Albernheit, deinem Sanftmut und all deinem Sein. Du warst so klein und hast doch so tiefe Spuren hinterlassen Danke, dass wir dich begleiten durften, kleiner Schatz. Flieg zu den Sternen, tobe durch die Wolken, kuschel mit Fine und grüße all diejenigen, die bereits voran gegangen sind. Wir werden dich für immer vermissen! Danke an alle, die an Nellis Seite waren und sie auf verschiedenen Wegen unterstützt haben

Nelli, dieses Lied ist für dich.